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Innerhalb der aktuellen Diskussion läßt sich ein breites Spektrum verschiedener und zum Teil überaus heterogener Formen des Neopragmatismus unterscheiden. Als Orientierungshilfe kann die Aufteilung in zwei Grundtypen dienen. Sie ergibt sich, wenn man den Blick auf die jeweils verfolgten akademischen Diskursstrategien richtet.
Die eine Strategie besteht darin, den Pragmatismusbegriff bewußt weit (inflationär) zu fassen, um dem Neopragmatismus auf diesem Weg eine möglichst breite Verankerung im fachphilosophischen Diskurs zu sichern. Die andere Strategie pocht auf eine restriktive (deflationäre) Verwendung des Pragmatismusbegriffs mit dem Ziel der provokativen Abgrenzung vom professonalisierten Selbstverständnis der modernen Universitätsphilosophie. Gemeinsam ist beiden Varianten die inhaltliche Abwendung von der als "repräsentationalistisch" kritisierten Debatte um Realismus und Antirealismus.
Im Zentrum dieser Debatte, die das Denken des zwanzigsten Jahrhundert stark geprägt hat, steht das Problem, ob unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit realistisch als Abbildungen oder antirealistisch als Konstruktionen zu verstehen sind.
Von den Deflationisten wird das als fruchtloser Streit um die fast schon religiöse Frage nach einer erhabenen, nichtmenschlichen Instanz interpretiert, die unser Sprechen und Denken entweder von außen oder von innen her determiniert. Statt weiter nach einer solchen Autorität zu suchen, schlagen sie vor, unser Wissen als Werkzeug einer demokratisch ausgerichteten Wirklichkeitsgestaltung zu verstehen, für die allein wir selbst verantwortlich sind (Rorty). Im Unterschied zu dieser politisch-humanistischen Kritik formulieren die "Inflationisten" ihre Einwände gegen die erkenntnistheoretische Opposition von Finden und Machen aus einer logisch-analytischen Perspektive. Als Alternative zum Repräsentationalismus schlagen sie eine Epistemologie vor, deren Grundlagen im Rahmen einer normativen Pragmatik (Brandom), eines undogmatischen Empirismus (McDowell) oder einer interpretationistischen Wahrheitstheorie (Davidson) entwickelt werden.
Über den Autor
Mike Sandbothe, geb. 1961. Studium der Philosophie, Linguistik, Literaturwissenschaft und Publizistik in Tübingen, Berlin und Bamberg. Privatdozent am Institut für Philosophie der Universität Jena. 1995 Forschungsaufenthalt an der Stanford University (USA). 2000/01 Vertretungsprofessur an der Universität Bielefeld.
Wichtige Veröffentlichungen: (Hg., mit Walther Ch. Zimmerli) "Klassiker der modernen Zeitphilosophie" (1993); (Hg., mit Walther Ch. Zimmerli) "Zeit -- Medien -- Wahrnehmung" (1994); (Hg., mit Antje Gimmler und Walther Ch. Zimmerli) "Die Wiederentdeckung der Zeit. Reflexionen, Analysen, Konzepte" (1997); "Die Verzeitlichung der Zeit. Grundtendenzen der modernen Zeitdebatte in Philosophie und Wissenschaft" (1998); (Hg., mit Winfried Marotzki) "Subjektivität und Öffentlichkeit. Kulturwissenschaftliche Grundlagenprobleme virtueller Welten" (2000).
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