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Gerhard Schröder. Ein Porträt
 
 

Gerhard Schröder. Ein Porträt (Gebundene Ausgabe)

von Jürgen Hogrefe (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 222 Seiten
  • Verlag: Siedler (April 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886807576
  • ISBN-13: 978-3886807574
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,2 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion
Erklärten Wertkonservativen ist Gerhard Schröder natürlich ein Dorn im Auge -- ein Mann, der seinen Schliff nicht auf dem humanistischen Gymnasium, sondern auf der Straße erhielt, ein sinnenfroher Alt-68er mit großer Klappe und ausgeprägtem Ego, vier Mal verheiratet, dazu ungewöhnlich ehrgeizig und dabei nicht immer frei von Opportunismus. Ausgerechnet dieser Antityp von Helmut Kohl regiert das Land. Noch dazu mit einem grünen Juniorpartner, dessen Machtbeteiligung stets zum Untergang des Abendlandes stilisiert wurde. Doch auch aus den eigenen Reihen der SPD blies dem vermeintlichen Mann ohne Gewissen und Prinzipien, dessen einzige Vision bösen Zungen zufolge die Kanzlerschaft gewesen sei, ungewöhnlich starker Wind entgegen. Und noch immer halten viele führende Genossen das Bündnis mit ihrem Vorsitzenden lediglich für eine Vernunftehe. Denn so missliebig Schröder in der "Partei der Lehrer und Intellektuellen" auch ist, bei den einfachen Leuten kommt er an -- "Genosse der Bosse" hin oder her.

Warum Schröder derart polarisiert und wie es um seine "charakterlichen Defizite" (Rudolf Scharping) politisch wie privat tatsächlich bestellt ist -- in erster Linie solche Fragen beschäftigen Jürgen Hogrefe in seinem Porträt, das rechtzeitig zum Ende der ersten Legislaturperiode des Aufsteigers aus Niedersachsen erschienen ist. Sein Urteil fällt nachsichtig aus. Zwar macht der Spiegel-Korrespondent, der als ehemaliger Fraktionssprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag seinen Protagonisten schon seit über 20 Jahren kennt, keinen Hehl daraus, dass Schröder niemals als Überzeugungstäter brillierte. Er stellt auch die Berechtigung von Attributen wie "undurchsichtig", "politisch und ideologisch nicht zu verorten", "machtgeil", "flegelhaft" oder "heimtückisch" nicht in Abrede. Doch er zeichnet auch das liebenswürdige Bild eines Selfmade-Mannes, eines unprätentiösen Typs "älterer Bruder". Er präsentiert einen Machtmenschen, der sich als Machthaber überraschend nachgiebig und von großherziger Versöhnungsbereitschaft zeigt. Und er bewundert den "Konsenskanzler", der durch seinen Instinkt für den Ausgleich von Interessengegensätzen und Konfliktlösungen ungewollt zum politikwissenschaftlichen Musterbeispiel des modernen Regierungschefs in einem Land vielfach geteilter Macht mutierte.

Obwohl er sich viele Details einfach schenkt, hat Jürgen Hogrefes spritzige Collage aus Reportagen, Essays und Anekdoten dank der scharfen Beobachtungsgabe des Autors Ansätze eines echten Psychogramms. Wer an einer guten Chronik interessiert ist, die auch komplexe politische und persönliche Verwicklungen nicht außer Acht lässt, dem sei überdies das zeitgleich erschienene Werk von Reinhard Urschel: Gerhard Schröder. Eine Biographie empfohlen. --Roland Detsch

Kurzbeschreibung
Würde man den Verlauf der ersten vier Jahre Gerhard Schröders im Amt des Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland als Kurve zeichnen, sie würde erhebliche Ausschläge zeigen - nach oben wie nach unten. Dem glanzvollen Einzug ins Bonner Kanzleramt folgte ein negatives erstes Regierungsjahr. »Wir haben damals in den Abgrund geblickt«, gibt Schröder mittlerweile zu. Heute, gut zwei Jahre später, feiert ihn die konservative »Welt« als den »unbestrittenen Beherrscher der deutschen Politik«, der sich »anschickt, noch während seiner ersten Amtszeit zum maßgeblichen Regierungschef des Kontinents aufzusteigen«. Das Formhoch muss aber nicht zwangsläufig anhalten. In den zurückliegenden Jahren hat die Regierung Schröder mehrfach ihre Fähigkeit zum unvorhergesehenen Fiasko unter Beweis gestellt.

Haben die erstaunlichen Schwankungen damit zu tun, dass Schröder auf politisch unsicherem Grund agiert? Fehlen ihm die notwendigen politischen und persönlichen Fundamente, um die Deutschland AG durch schwierige Zeiten zu bugsieren? Oder sind die Zeiten so, dass sie nur von einem pragmatischen, ideologisch nicht festgelegten Mann gestaltet werden können, der dann und wann zwangsläufig einmal irren muss?

Schröder selbst hatte bei Amtsantritt nur vage Vorstellungen davon, wie die Politik der »neuen Mitte« aussehen sollte: den Reformstau auflösen, Deutschland »flott« kriegen, die Arbeitslosigkeit reduzieren. Aber einen Bauplan für sein Projekt hatte er nicht. Über die richtigen Wege, die zu diesen Zielen führen, war - und ist er sich auch heute - noch immer nicht im Klaren. Dennoch: Im Amt hat sich Gerhard Schröder als »lernfähiges System« erwiesen. Er regiert mit einem ganz eigenen, neuen, verblüffenden Politikstil, mit dem er nebenbei auch noch die Opposition weitgehend lahm legt: Er bindet politische Gegner in wichtige Entscheidungen ein. Er öffnet die Regierungshoheit für gesellschaftliche Gruppen und Einzelpersönlichkeiten. Er umgeht das Parlament durch Einrichtung von Sonderkommissionen und außerparlamentarischen Gremien: Schröders Berliner Räte-Republik, die er mehr zu moderieren als zu regieren scheint.

Die Kanzlerschaft hat Schröder - als Politiker und als Mensch - mehr verändert als jeder andere Lebensabschnitt zuvor. In der gegenwärtigen weltpolitischen Krise wird ein neuer Gerhard Schröder sichtbar. Er wirkt ernsthafter, seriöser, staatsmännischer denn je.

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