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Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte
 
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Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte (Gebundene Ausgabe)

von Michael Maar (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 185 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (März 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827004543
  • ISBN-13: 978-3827004543
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,4 x 2,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung
Nabokov trifft Rowling

Michael Maar hat «Harry Potter» gelesen

Sollten wir uns je die etwas müssige Frage gestellt haben, ob Nabokov «Harry Potter» gemocht hätte: Michael Maar nennt uns in seinem jüngsten Essayband ein paar gute Gründe, die doch sehr dafür zu sprechen scheinen. Er zählt Gemeinsamkeiten auf: Die «Kunst der Komposition» etwa sei Joanne K. Rowling und Nabokov gleichermassen eigen, ebenso das Parodistische und Unprüde oder das Magische und Wunderbare, wobei gerade Letzteres bei beiden die Beobachtung der Wirklichkeit geschärft haben soll. Einen weiteren Grund nennt Maar, zwar sei es «ein schlechter», meint er einschränkend, «aber selbst ein Nabokov wäre nicht gegen ihn gefeit»: Es gebe nur zwei Bücher, so zitiert er Joanne K. Rowling, «deren letzte Seite mich zum Weinen bringt, ohne dass ich die vorhergehenden Seiten zu lesen brauche». Eines davon sei «Lolita». Nun gut, wollen wir annehmen, es sei so, und Nabokov hätte sich von solcher Vorliebe einnehmen lassen. Um Nabokov freilich geht es hier nur am Rande. Er ist gleichsam nur Vorwand für den allerdings verführerischen Titel. Michael Maar hat anderes im Sinn. Er will uns mit den kompositorischen Finessen von Joanne K. Rowling bekannt machen; er singt uns das Loblied auf eine Autorin, die ihre Romane wie ein feines Räderwerk konstruiert; er zeigt uns mit dem Eifer des tüftelnden Forschers, dass wir beim Lesen und zumal bei «Harry Potter» immer mehr wissen könnten, wenn wir nur wollten und wachsam genug wären. Und zu diesem Zweck erzählt er uns die Romane – und rennt bei uns weit geöffnete Scheunentore ein. Jedes Kind weiss mittlerweile, dass Joanne K. Rowling kein Motiv einführt, das nicht in ihrem Plan verzeichnet ist und an einer vorbestimmten Stelle wieder zum überraschenden Einsatz gelangt. Wir wissen es – und lassen uns doch immer wieder überraschen. Und sind nicht unglücklich darüber, dass uns manches kompositorische Geheimnis dieser Bücher verborgen bleibt, uns vielleicht auch nur ahnungsweise dämmert, denn nur so bleibt uns der Zauber erhalten. Es ist ein überflüssiges Buch, gewiss, aber brillant geschrieben, und es bereitet auch intellektuell kein geringes Vergnügen, wenn Michael Maar die Handlung paraphrasiert, wenn man ihm zuschauen kann bei der minuziösen Analyse des Textes, wenn er die hintergründigen Motivverbindungen freilegt und wenn dann also der Konstruktionsplan der Romane sichtbar wird. Man wird es also nicht bedauern müssen, dieses Buch gelesen zu haben. Und sei es bloss darum, weil uns Michael Maar auf den selbst vor Obszönitäten nicht zurückschreckenden Humor von Joanne K. Rowling hinweist. Manches davon bleibt nämlich dem Leser der deutschen Übersetzung – wie wohl auch vielen flüchtigen Lesern des Originals – verborgen. «Can I have a look at Uranus too?», fragt Ron im vierten Band seine Mitschülerin Lavender Brown im Wahrsage-Unterricht – worauf die ganze Klasse – überraschend vielleicht auch für die Schüler, vor allem aber für die deutschen Leser – mit zusätzlichen Hausaufgaben bestraft wird. Doch Ron wird wohl, als er die Frage stellte, an einer heiklen Stelle gestockt und zwischen der ersten und zweiten Silbe von «Uranus» eine kleine Pause gemacht haben, vielleicht bewusst, wozu er imstande wäre, vielleicht aus Ignoranz, was zu ihm passen würde, vielleicht auch nur aus einer unschuldig ahnungsvollen Eingebung heraus, was man ihm zutrauen würde. Roman Bucheli

Kurzbeschreibung
"Er wird berühmt werden - es werden Bücher über ihn geschrieben werden - jedes Kind in unserer Welt wird seinen Namen kennen!" So prophezeit es die Hexe Minerva McGonagall auf den ersten Seiten eines Buches, das 1996 in einer Auflage von 500 Exemplaren erschien. Hundert Millionen Leser haben Minervas kühne Prophezeiung inzwischen in eine Tatsache verwandelt. Harry Potter ist der grösste Bucherfolg der Geschichte. Das ist in sich bereits wunderbar genug, das grössere Wunder aber ist: diese Bücher haben es verdient. Das sagt Michael Maar, der, geschult an Autoren wie Nabokov und Proust, Harry Potter auf der Höhe liest, die ihm zukommt: Er nimmt die Bücher von Joanne K. Rowling als literarische Kunstwerke von Rang ernst. Wie die Autorin ihren Helden Harry, so führt Maar den Leser durch die verwinkelten Flure und Spiegelsäle, die Geheimnisse und Verliese der vier Bände. Dies ist ein Buch zur gründlichen Orientierung, wie Harry sie aus der "Karte des Rumtreibers" bezieht. Während diese magische Karte nur die Gegenwart anzeigt, riskiert Maar allerdings etwas Neues. Er setzt sich über den schlechten Ruf hinweg, den die Wahrsagekunst in Hogwarts geniesst, und wagt das Spiel der Vorausschau auf die Bände fünf, sechs und sieben... Für die Leser, die noch nicht das Vergnügen mit Harry hatten, und für solche, die zu Unrecht glauben, ihn zu kennen.

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