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Der Schuss geht leider gleich doppelt nach hinten los. Durch den eher unangenehmen und laienhaften Vortragsstil des Autors treten die literarischen Schwächen des Romans noch deutlicher hervor. Und eigentlich muss man sich wundern, dass Kehlmann sich mit seinem nächsten Roman, dem gefeierter Bestseller Die Vermessung der Welt, so steigern konnte. Auf dem Cover wird der Autor zitiert: Mit Ich und Kaminski habe ich mir die Komik als Stilmittel erarbeitet. Wenn das stimmen sollte, dann merkt man es dem Roman leider nicht an. Am schlimmsten aber ist, dass der Autor seinen Text mit einem Tonfall liest, als wäre er schreiend komisch. Also Finger und Ohren weg. Wer ein Hörbuch von Daniel Kehlmann haben möchte, sollte unbedingt zu Die Vermessung der Welt greifen. --Christian Stahl
Spieldauer: ca. 215 Minuten, 3 CDs, Autorenlesung
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Audio CD
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Neue Zürcher Zeitung
Das Genie und das Nichts
Daniel Kehlmanns Roman «Ich und Kaminski» Von der geplanten Biographie des noch lebenden Malers Manuel Kaminski, des vergessenen Surrealisten, des Zeitgenossen von Picasso und Matisse, verspricht sich ein junger Kunsthistoriker den ganz grossen Durchbruch sowie Ruhm und Geld. Er macht sich auf die Bahnreise in das kleine Bergdorf, in dem Kaminski mit seiner Tochter lebt. Als er grossspurig in Kaminskis Wohnstube tritt, kennen wir diesen Menschen so gut, dass uns der Alte schon leid tut. Der Romanheld Sebastian Zöllner ist eine Kreatur des Kunstbetriebs; ein unangenehmer Mensch, der es darauf anlegt, seine Mitmenschen durch Unhöflichkeit vor den Kopf zu stossen. Er benutzt fremde Wohnungen und fremde Leben. So will er sich auch des Malers Kaminski bemächtigen, zur Befriedigung seiner Selbstsucht. Seine Recherchen sind Lehrstücke in zynischem Pragmatismus. Daniel Kehlmann braucht nur zwanzig Druckseiten, um die Konstellation eines ungleichen Duells zu gründen: ein egozentrischer, subalterner Intellekt gegen das schöpferische Genie, eine unsichere, fremden Meinungen unterworfene, parasitäre Existenz gegen die Autorität eines Lebenswerks, das sich vollendet hat und zu sich selbst zurückgekehrt ist, jenseits der Öffentlichkeit, in der zeitentrückten Stille des nahen Todes. Daniel Kehlmann erzählt diese Geschichte in der ersten Person, aus der Perspektive des jungen Mannes. Das ermöglicht seinem Roman eine grossartige Tiefenschärfe. Die Oberfläche aber, die Sprache ist von polierter Härte; sie desavouiert den Erzähler, ohne dass sie ihn denunzieren muss. Zöllners Selbstwahrnehmung wird in seiner fatalen Unangemessenheit und Hybris gespiegelt in den Reaktionen der Menschen, denen er auf die Nerven geht. Er merkt davon nichts. Nicht einmal, dass seinem Gegenspieler, dem vergessenen Avantgardisten, dieser windige Biograph nicht so unwillkommen ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. Bei seinem Wildern im fremden Leben hat er Kaminskis Jugendliebe aufgestöbert. Kaminski, fast blind und altersschwach, beschliesst, sie mit Zöllners Hilfe aufzusuchen. Der junge und der alte Mann, der Mediokre und das Genie, brechen zu einer Autofahrt Richtung Norden auf. Am Ende dieser Reise in die Erinnerung voller Kuriositäten, komödiantischer Wendungen, und grimmiger Menschenkenntnis hat das Leben den Biographen und die Kunst den Kunstbetrieb überlistet. Zöllner (der Name ist sprechend) hat nicht Kaminski, sondern dieser ihn übertölpelt. Ein anderer als Zöllner wird die Biographie schreiben, und er wird das willfährige Werkzeug eines Genies sein, dessen Avantgardismus so selbsternannt ist wie das Sendungsbewusstsein seines Biographen eitel. Seinen Ruhm verdankt Kaminski einem einzigen Sachverhalt: der grosse Claes Oldenburg hat ihn einmal ausgestellt. Am Ende steht etwas wie Zuneigung zwischen dem listigen alten Mann und dem Adepten; die Begegnung endet mit einem Unentschieden. Das Buch hat die Spannung eines guten Kriminalromans, aber die Indizienketten liegen hier offen in den Gesichtern und Gesten der Figuren. Daniel Kehlmann ist ein überaus klarer und konzentrierter Erzähler. Ihn interessiert die Poetizität eines Stoffes, das heisst, seine Eignung, im Sichtbaren das Nicht-Sichtbare, im Wirklichen die Transzendenz des i