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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2003
Uwe Walter ist begeistert von diesem "analytisch glasklaren" Buch. Seine Lektüre sei "ein reines intellektuelles Vergnügen". Und auch das zentrale neue Ergebnis des Buches hat den Rezensenten überzeugt. Von dem Bild Caligulas als eines "irrationalen Monsters" mit "pathologischem Caesarenwahn", das die interessierte Nachwelt sich von diesem römischen Kaiser gemacht habe -- nach Winterlings "subtiler und vor allem konstruktiver Quellenkritik" bleibe von all dem "nichts übrig". Zugleich werde die Epoche der römischen Kaiser dadurch nicht rosiger: "Die Monstrosität war viel schlimmer, weil sie im System steckte und nur von außerordentlich begabten Akteuren und unter sehr günstigen Umständen neutralisiert werden konnte." Winterling habe, lobt Walter, die "systemimmanente Doppelbödigkeit, ja Paradoxie" der von Augustus stammenden Konstruktion des römischen Kaisertums offengelegt: "Die Senatoren hatten so zu handeln, als besäßen sie eine Macht, die sie in Wirklichkeit nicht hatten, der Kaiser musste so mit ihnen umgehen, als stünden sie grundsätzlich auf gleicher Augenhöhe mit ihm." Das "Unerhörte", was Caligula von allen anderen Kaisern unterschied, wäre, so fasst der Rezensent Winterlings Darstellung zusammen, dann allein darin zu sehen, dass er dieses Paradox in einer Krisensituation offengelegt habe. Und "usurpiert" der allmächtige Kaiser die Rolle des Hofnarren, schließt Walter seine Rezension, "wird es für alle Beteiligten hochgradig gefährlich."
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Kurzbeschreibung
Kein anderer römischer Kaiser scheint wie Caligula (37-41 n.Chr.) von einer Aura des Wahnsinns umgeben. Darf man den Quellen vertrauen, so trieb er Inzest mit seinen Schwestern, richtete ein Bordell auf dem Palatin ein, wollte sein Pferd zum Konsul machen und plante den Herrschaftssitz von Rom nach Alexandria zu verlegen. Er demütigte die römischen Senatoren, verfolgte sie grausam und ohne Anlaß, und schließlich verstieg er sich dazu, sich als Gott verehren zu lassen. Geradezu kongenial zur dubiosen Überlieferung verfestigte bis auf den heutigen Tag der Film Caligula mit Malcolm McDowell in der Hauptrolle dieses düstere Bild des antiken Herrschers im Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit. Aloys Winterling befreit Caligula aus dem dichten Gestrüpp der Legendenbildung und entlarvt zugleich die Doppelgesichtigkeit der römischen Senatsaristokratie. Der Mythos vom wahnsinnigen Kaiser verschwindet zugunsten historischer Klarheit. Caligulas Politik gewinnt scharfe Konturen und eine eindeutige Zielrichtung - die Durchsetzung einer offenen Alleinherrschaft.
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