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Sonetschka
 
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Sonetschka (Gebundene Ausgabe)

von Ljudmila Ulitzkaja (Autor)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung
Die Leserin

Ljudmila Ulitzkaja: «Sonetschka»

Sonetschka ist ein Mauerblümchen des Lebens, eine Zukurzgekommene, die ihr ganzes Unglück noch für ein grosses Glück hält: So gering schätzt sie sich, so wenig ist sie von dieser Welt. Sonetschka ist das kraftspendende Heimchen am Herd eines erfolgreichen Mannes, das verlassen wird: einer Jüngeren, Unverbrauchteren wegen. Eine vorhersehbare Geschichte, wie sie dauernd passiert. Wie also das alte Modell neu erzählen?

Ljudmila Ulitzkaja entreisst in ihrer Erzählung die brave Hausfrau ihrem Schattendasein und schreibt ihr ein literarisches Denkmal, auf eine Weise, die so ganz anders ist als diese selbst: eindeutig, temperamentvoll, entschieden. Ulitzkaja ist keine, die mühsam nach Worten sucht oder etwas für unerzählbar hält. Sie ist eine Macherin, setzt effektvoll und ohne Umschweife in Szene, was sie sagen will. So entsteht ein fruchtbarer Kontrast zwischen Heldin und Autorin. Die feiert die Zurückhaltende als heimliches Zentrum der Familie, als diejenige, die anderen das auf Erfolg und Aktivität gerichtete Leben, das sie sich wünschen, ermöglicht. Das klingt betulicher, als es ist. Denn die Liebe der Erzählerin offenbart sich zwischen den Zeilen und in der Schilderung von Alltagssituationen, die viel Ironie enthalten. Die Figuren werden von aussen betrachtet, durch ihr Tun beschrieben. Das erspart seelische Sezierarbeit, die Ulitzkaja offenbar auch nicht liegt.

Die Autorin begnügt sich aber nicht damit, ein so banales wie tristes Hausfrauenschicksal zu beweinen. Auch um das Verlassenwerden geht es ihr nicht in erster Linie. Das ist zum Schluss nur noch eine fällige Beigabe und fast zu erwartende Konsequenz der ewig fehlenden Anerkennung. Heldin und Autorin nehmen das Abhandenkommen des Gatten mit erstaunlicher Gelassenheit hin. Was aber die Erzählerin an Sonetschka wirklich interessiert und uns für sie einnimmt, ist eine Gabe, die ihr wenigstens einen Abglanz von tragischer Grösse verleiht: Bis zu ihrer Heirat war Sonetschka eine besessene Leserin. Sie besass «ein aussergewöhnliches Lesetalent, vielleicht sogar eine Art Genialität». Sonetschka las nicht nur, sie «sank in die Lektüre wie in eine Ohnmacht, die mit der letzten Buchseite endete». Wie alle ihre Talente schätzt sie auch dieses gering und wird durch ihre Heirat «vom erhabenen Mädchen zur praktischen Hausfrau», nicht einmal zaghaft rüttelt Sonetschka an den Gitterstäben ihrer Schüchternheit. Ihr arbeits- und entbehrungsreiches Leben, das im Russland der zwanziger Jahre beginnt, und ihr Mann, der die Literatur verabscheut, lassen den Lektürestrom, der sie bis zu ihrem 27. Lebensjahr begleitet hat, versiegen.

Erst als sie alt ist und wieder sich selbst gehört, kehrt sie zu den Büchern zurück, taucht jeden Abend, «eine leichte Schweizer Brille auf der birnenförmigen Nase, in süsse Tiefen, in dunkle Allen und in Frühlingsfluten». Sonetschkas Ausflug in die Realität, die sie nie ganz für sich beanspruchte, ist beendet. Ljudmila Ulitzkaja, eine Generation später, begnügt sich nicht mehr mit dem Lesen und Versinken in fremde Welten. Ihre rührende Geschichte über die Leserin, die sie der Literatur zurückgegeben hat, wurde vielfach übersetzt und 1996 in Frankreich mit dem Prix Médicis für das beste ausländische Buch ausgezeichnet.

Marion Löhndorf

Kurzbeschreibung
Füe diese zauberhafte, ironische und zärtliche Liebesgeschichte erhielt Ljudmila Ulitzkaja Autorin des Romans "Medea und ihre Kinder" 1996 in Frankreich den Prix Medicis für das beste ausländische Buch.

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