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Ägyptens fatale «Wende»
Nagib Machfus ein kritischer Jubilar
Auch am 6. Oktober 1981 wurde in Kairo wieder wie jedes Jahr mit einer Militärparade an den Beginn des Oktoberkrieges 1973 erinnert. Damals hatten ägyptische Streitkräfte den höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, für einen Überraschungsangriff nutzend die von Israel besetzt gehaltene Halbinsel Sinai gestürmt. Der mit einem Patt endende Krieg wurde als Befreiung von der traumatischen Erfahrung der Niederlage im Sechstagekrieg von 1967 empfunden. Der ägyptische Staatspräsident Anwar as-Sadat ging dann aber einen Schritt weiter. 1977 reiste er nach Israel und sprach vor den Abgeordneten der Knesset. 1978 unterzeichneten er und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin den Friedensvertrag in Camp David. Für diese Politik der Versöhnung und des Ausgleichs erhielten die beiden Staatschefs gemeinsam den Friedensnobelpreis.
Sadats Ermordung während der Feierlichkeiten am 6. Oktober 1981 durch Mitglieder der radikalen islamistischen Splittergruppe Gama'at al-islamiya kam für die nichtägyptische Welt völlig überraschend. Für viele Ägypter jedoch war der Anschlag die Konsequenz einer autokratischen, die Nöte der Bevölkerung ignorierenden Politik. «Der letzte Tag des Präsidenten» heisst auch der jüngst auf Deutsch erschienene Roman des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus, der diese Hintergründe des Attentats erhellt. «Er heimst die Früchte des Sieges ein», lässt der Romancier die zentrale Figur des Buches sagen, «und uns beglückt er mit einer Wende, die uns in Elend und Armut ersticken lässt. Dafür verdient er es, gehasst und verflucht zu werden.» Seit acht Jahren ist der 26-jährige Alwan mit seiner Jugendliebe Randa verlobt und hat nicht die geringste Aussicht, sie in absehbarer Zeit heiraten zu können. Weder gibt es erschwingliche Wohnungen, noch verdienen die beiden so viel, dass sie davon leben könnten.
Kampf ums Nötigste
Sadats «Wende» von der sozialistischen Orientierung seines Vorgängers Gamal Abdel Nasser zur kapitalistischen Marktwirtschaft bedeutete für die kleinen Leute des Mittelstands oft sozialen Abstieg und Perspektivlosigkeit. Das Einkommen von Alwans Vater, der tags im Ministerium und abends in einem Betrieb arbeitet, der Verdienst der ebenfalls berufstätigen Mutter, die Rente des Grossvaters und Alwans Gehalt reichen zusammen gerade, um die Miete für die gemeinsame Dreizimmerwohnung zu zahlen. Erschöpft von der Arbeit und voller Sorgen haben