Aus der Amazon.de-Redaktion
Heute gelten die Aufzeichnungen des belesenen Emporkömmlings Samuel Pepys (1633 - 1703) als "intimste Tagebücher der Weltliteratur" (Dietrich Schwanitz). Als man im Nachlass des königlichen Bediensteten sechs in Schweinsleder gebundene Journale fand, konnte man das allerdings noch nicht erahnen. Denn Pepys hatte seinen Blick durchs Schlüsselloch der britischen Gesellschaft im 17. Jahrhundert in kaum entschlüsselbarer Kurzschrift verfasst; erst 1819 konnte ein Teil der Texte entziffert werden.
Aus diesem biografischen Konglomerat eines Lebens zwischen weltmännischer Eleganz und großem intellektuellem Witz auf der einen sowie bürokratischem Arbeitsethos und speichelleckerischer Unterwürfigkeit auf der anderen Seite versammeln Die geheimen Tagebücher die schönsten Passagen. An manchen Stellen lesen sich Pepys Aufzeichnungen wie die von Thomas Mann: da etwa, wo er akribisch seine Verdauungsbeschwerden verzeichnet oder die Liste jener Damen, denen er die Hand küssen durfte. An anderen Stellen, etwa bei der Schilderung seiner Liebeleien, nehmen sich die Texte ein wenig wie die von Casanova aus. Aber eigentlich sind Die geheimen Tagebücher ein ganz eigenes, wundervolles Stück großer Literatur.
Und noch etwas ist die vorliegende Auswahl: Sie ist eine wundervolle Hommage an den wundervollen Übersetzer und Zeichner Volker Kriegel, der über Auswahl, Illustration und Neuübersetzung des Pepys'schen Werks verstarb. Roger Willemsen als Herausgeber und Robert Gernhard, Greser & Lenz, F. K. Waechter, Bernd Pfarr, Ernst Kahl und andere haben sein Projekt nun zu Ende geführt. Und das in einer rundherum gelungenen Weise. --Stefan Kellerer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
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Kurzbeschreibung
Er war ein wetterwendischer Opportunist, ein Frauenjäger der dreistesten Art, ein barscher Vorgesetzter - und ein manischer Tagebuchschreiber. Samuel Pepys (1633-1703) legte in seinen Tagebüchern über alles Rechenschaft ab - über seine (manchmal mafiösen) Geschäftsmethoden im Marineamt, seine Ausschweifungen in düstren Kneipen und fremden Betten, seine Ehezwistigkeiten, seine Krankheiten, seine Speisezettel, seine Erniedrigungen, seine Selbstzweifel, seine Verdauungsstörungen. Entstanden ist so ein einzigartiges Dokument, in dem spannendstes zeitgeschichtliches Material, privateste Bemerkungen und absonderliche Ideen eine abenteuerliche, faszinierende und auch hochkomische Melange bilden.
Gelesen von Roger Willemsen, der als Mitherausgeber auch schon an der Buchveröffentlichung der Tagebücher maßgeblich beteiligt war.
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